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04.04.2017 ZLV zur Fremdsprachen-Initiative: Ein Ja ist konsequent

Medienmitteilung ZLV - Seit dem Schuljahr 2006/2007 werden auf der Primarstufe überall im Kanton Zürich zwei Fremdsprachen unterrichtet. Nach über zehn Jahren ist klar: Dieser Ansatz ist gescheitert. Das Resultat ist verheerend: Die Lernziele werden weder im Englisch noch im Französisch erreicht – und überdies hapert es nun auch im Deutschunterricht. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) unterstützte damals die Einführung der zweiten Fremdsprache – unter der Bedingung, dass dafür genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Politik nahm diesen Punkt nie ernst. Deshalb gibt es für den ZLV nur einen konsequenten Weg: Ein Ja zur Fremdsprachen-Initiative am 21. Mai 2017.

Der Schweizer Dachverband der Lehrpersonen LCH hat bereits 2004 Gelingensbedingungen formuliert, die für das erfolgreiche Einführen der zweiten Fremdsprache auf der Primarstufe gegeben sein müssen. Zentraler Punkt war und ist, dass die Lehrerschaft das Unterfangen voll mittragen und unterstützen muss. 2013 evaluierte der LCH das Fremdsprachenkonzept landesweit. Sein Fazit vor vier Jahren: Die Gelingensbedingungen für zwei Fremdsprachen seien nicht erfüllt. Er kritisierte insbesondere fehlende Weiterbildungen für die Lehrpersonen, zu klein bemessene zeitliche und finanzielle Ressourcen sowie mangelhafte Lehrmittel. Der Dachverband empfahl deshalb den kantonalen Bildungsdirektionen, bei ihren Entscheiden bezüglich Fremdsprachen die Meinung der Lehrpersonen im Interesse der Kinder und einer guten Schulqualität ernst zu nehmen.

 

Politik ignoriert Erfahrungen aus dem Schulalltag

 

Die Zürcher Bildungsdirektion hat die Empfehlungen des LCH nicht befolgt. Weder schaffte sie Rahmenbedingungen für einen gelingenden Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe, noch hörte sie auf die vielen entsprechenden Hinweise des ZLV in den letzten Jahren. Zuletzt ignorierte sie zusammen mit Regierungs- und Kantonsrat beim Nein zur aktuellen Fremdsprachen-Initiative auch noch die ausdrückliche Haltung der Lehrpersonen. In einer Umfrage mit über Tausend teilnehmenden ZLV-Mitgliedern hatten sich über 75 Prozent für nur noch eine Fremdsprache auf der Primarstufe ausgesprochen.

 

Für ihre Position haben die Lehrpersonen gute Gründe: Es zeigt sich immer deutlicher, dass die Kinder mit der heutigen Lösung weder die Lernziele im Französisch noch im Englisch erreichen. Zudem steht zu wenig Zeit zur Verfügung, um im Deutsch eine solide Basis zu legen. Das Resultat ist, dass sich heute bei vielen Schülerinnen und Schülern in allen drei Sprachen Probleme manifestieren, wie die Pisa-Resultate regelmässig belegen. Der ZLV empfiehlt deshalb den Stimmberechtigten mit Überzeugung, am 21. Mai ein Ja zur Fremdspracheninitiative in die Urne zu legen.

 

Alternativer Weg steht offen

 

Das Ja des ZLV zur Initiative bedeutet keine Abkehr vom Ziel der Volksschule, dass die Jugendlichen nach Ende der obligatorischen neun Jahre zwei Fremdsprachen beherrschen. Ein alternativer Weg dazu steht offen und lässt sich nach einem Ja rasch umsetzen: In der Primarstufe wird künftig nur noch eine Fremdsprache unterrichtet – dies dafür mit mehr Ressourcen. Gleichzeitig kann auch dem Deutschunterricht als Basis wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die zweite Fremdsprache wird in der Sekundarstufe eingeführt – ebenfalls mit mehr Ressourcen als heute. Das Resultat: Nach neun Jahren beherrschen die Schülerinnen und Schüler alle drei Sprachen besser als heute.

 

Welche Fremdsprache in der Primarschule beibehalten wird, ist kein pädagogischer Entscheid, sondern ist politisch zu klären. Der ZLV wird sich nach einem Ja zur Fremdspracheninitiative mit vollem Engagement einbringen, um ein neues, erfolgversprechendes Sprachenkonzept umzusetzen.