Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband
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26.11.2015 ZLV-Umfrage zeigt besorgniserregenden Bildungsabbau

Medienmitteilung ZLV - Der Kanton Zürich trägt der Volksschule Sorge: Für 2016 sind keine einschnei-denden Sparmassnahmen vorgesehen. Doch dies ist höchstens das halbe Bild. Wie eine ZLV-Umfrage bei Lehrpersonen zeigt, wirkt der Spardruck vor allem auf kommunaler Ebene. Die dortigen Einschnitte führen zu weniger Unterstützung der Klassen und erschweren den integrativen Unterricht. Dies gefährdet die Qualität der Volksschule.

Der Kanton Zürich schneidet aus Sicht des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands ZLV bei den Schulbudgets im Vergleich mit anderen Kantonen gut ab. Während andernorts der Rotstift massiv angesetzt wird, geht die Zürcher Bildungsdirektion mit Augenmass vor. Allerdings verfügt sie neben den Lehrpersonenlöhnen über vergleichsweise wenig Einflussmöglichkeiten. Ein Grossteil der übrigen Bildungsausgaben fällt auf kommunaler Ebene an – und dort präsentiert sich ein besorgniserregendes Bild.

 

Eine nicht-repräsentative Umfrage des ZLV bei seinen Mitgliedern zeigt, dass bereits 2015 über 85% der antwortenden Lehrpersonen in ihren Gemeinden Sparmassnahmen zu spüren bekamen. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Erkenntnissen des Verbands und seiner Repräsentantinnen und Repräsentanten aus der Alltagsarbeit. Für das Jahr 2016 befürchtet der ZLV aufgrund der vorliegenden Gemeindebudgets zusätzliche, einschneidende Sparmassnahmen.

Die ZLV-Umfrage verdeutlicht, wo die Gemeinden den Rotstift ansetzen und welche Auswirkungen dies auf die Volksschule hat. Mit über 60% an Nennungen steht das Globalbudget der Schulen an erster Stelle. Weitere konkrete Punkte betreffen das Material (55%), Vikariate (33%), Deutsch als Zweitsprache (DaZ, 29%) sowie Freifächer, Schulreisen und Klassenlager.

 

Weniger Unterstützung als Folge

Für die Lehrpersonen bedeuten die Sparmassnahmen im Alltag oft, dass weniger Unterstützung vorhanden ist. So fordern die Städte Zürich und Winterthur kaum je zusätzliche Ressourcen aus dem VZE Pool an und auch Assistenzen werden selten eingesetzt. Weitere konkrete Beispiele aus der Stadt Zürich: Kürzung des Globalkredits, eine ungenügende Computerausstattung, bei kurzen Krankheitsausfällen von Lehrpersonen sind keine Stellvertretungen mehr möglich. In vielen Gemeinden kommt zudem auch der Unterhalt der Schulhäuser und des Mobiliars zu kurz.

 

Schleichender Abbau der Schulqualität

Bleiben die Steuern der Gemeinden 2016 und in den folgenden Jahren auf tiefem Niveau, wird sich der Bildungsabbau weiter fortsetzen. So wird die Qualität der Volksschule einer ernsten Probe ausgesetzt. Die vielen kleinen Abbauschritte sind zwar weniger spektakulär als kantonale Massnahmen, wirken sich in der Summe aber ebenso negativ aus. Zudem steigt die bereits heute zu hohe Belastung der Lehrpersonen weiter an – mit entsprechenden Konsequenzen für die Attraktivität des Berufs.

 

Der ZLV wird sich weiterhin mit voller Kraft dafür einsetzen, dass die Zürcher Volksschule die Mittel erhält, um die gesetzten Bildungsziele zu erreichen. Ein grosses Anliegen ist ihm dabei, Chancengerechtigkeit zu fördern. Schulischer Erfolg darf nicht davon abhängen, ob die Wohngemeinde eines Kindes die Schule finanziell aushungert oder eine weitsichtige Qualitätspolitik verfolgt.