Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband
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17.12.2019 Lohnsummenentscheid: Kantonsrat leistet dem Lehrermangel Vorschub

Medienmitteilung ZLV und SekZH - Der Zürcher Regierungsrat wollte die Lohnsumme für das Staatspersonal um 0.8% erhöhen. Der Kantonsrat hat diesen dürftigen Vorschlag nun nochmals um die Hälfte zusammengestrichen. Was den Sparbremstretern bewusst sein musste: Damit leisten sie dem immer gravierender werdenden Lehrermangel Vorschub. Nachdem sich die Kantonsrätinnen und -räte vor kurzem selbst eine beträchtliche Erhöhung ihrer Bezüge gegönnt haben, hinterlässt der heutige Entscheid des Kantonsrats bei den rund 17'000 Lehrpersonen im Kanton einen sehr schalen Geschmack.

Die Zürcher Lehrpersonenverbände ZLV und SekZH sind sehr enttäuscht über die Haltung und den Entscheid des Kantonsrats zur Lohnsumme 2020 des Staatspersonals. Vor wenigen Wochen erst erhöhten die Kantonsrätinnen und -räte ihre eigenen Bezüge stark. Dies hindert die Sparapostel in den Räten nun nicht daran, die berechtigten Lohnanliegen der Kantonsangestellten zu versenken und den regierungsrätlichen Vorschlag zu halbieren. Besonders störend: Bereits der Vorschlag des Regierungsrats mit einer Lohnsummenerhöhung von 0.8% war zu tief und lag deutlich unter der von ihm selbst definierten Referenzgrösse der UBS-Lohnstudie. Seit 2009 beträgt der Rückstand der Lohnentwicklung des kantonalen Personals gegenüber der UBS-Lohnstudie kumuliert fast vier Lohnprozent – und dies bei regelmässig positiven Finanzabschlüssen des Kantons.

 

Verschärfung beim Lehrermangel


Die Lehrpersonenverbände haben im Vorfeld der Budgetdebatte die Kantonsrätinnen und -räte darauf aufmerksam gemacht, dass die Halbierung des regierungsrätlichen Vorschlags den aktuellen Lehrermangel verschärfen wird. Das Signal an junge Menschen in der Berufsentscheidungsphase ist fatal – die Attraktivität des Lehrberufs wird weiter geschmälert. Da es für Lehrerinnen und Lehrer kaum Karrieremöglichkeiten gibt, wäre ein verlässlicher Stufenanstieg wichtig. Dieser gleicht einen anderswo möglichen Karriereaufstieg aus und hält den Lehrberuf auch finanziell attraktiv. Durch den heutigen Entscheid fehlen dazu noch mehr Mittel.

Der Mangel an Lehrpersonen manifestiert sich vor allem auch als Qualitätsproblematik. Kann eine Schule nicht aus mehreren Bewerbungen die am besten geeignete Lehrperson aussuchen oder muss sie gar Lehrpersonen anstellen, die nicht zum gesuchten Jobprofil passen, führt dies zu einem schleichenden Qualitätsabbau. Auch dies nimmt der Kantonsrat in Kauf, um seinen dogmatischen Sparkurs umzusetzen.

 

Untaugliches Argument


Die in der Diskussion als Grund für den Sparentscheid genannte fünfte Ferienwoche taugt als Argument nicht. In der Privatwirtschaft sind fünf Wochen Ferien heute Standard. Der Kanton hat in diesem Punkt Aufholbedarf, wenn er weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber sein will, der mit den Jobangeboten in der Privatwirtschaft mithalten kann.