Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband
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06.06.2013 Sparübung oder ernsthafte Basisvertretung? Delegiertensystem für Lehrpersonen muss optimiert werden

Medienmitteilung ZLV, vpod und SekZH - In den letzten Tagen haben die letzten Kapitelsversammlungen der Zürcher Volksschule stattgefunden. Eine basisdemokratische Institution ist damit Geschichte. Das von der Bildungsdirektion für die Interessenvertretung der Lehrpersonen neu aufgebaute System mit einer Delegiertenversammlung befriedigt jedoch nicht. SekZH, vpod und ZLV fordern Optimierungsmassnahmen.

Mit den letzten Kapitelsversammlungen im ganzen Kanton ist eine Tradition der Zürcher Volksschule zu Ende gegangen, die seit ihrer Gründung den Lehrpersonen eine basisdemokratische Mitsprache ermöglichte. Als Ersatz hat die Bildungsdirektion in Zusammenarbeit mit der Lehrpersonenkonferenz des Kantons Zürich ein neues System entwickelt, dass die Interessenvertretung der rund 12'000 Lehrpersonen sicherstellen soll. Es funktioniert neu über eine Delegiertenversammlung.

 

Die Lehrpersonenorganisationen der Sekundarlehrkräfte des Kantons Zürich (SekZH), der Verband Personal öffentlicher Dienste (vpod) und der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) stellen fest, dass die letzten Kapitelsversammlungen sämtliche 94 Delegierten sowie 88 Ersatzdelegierte gewählt haben. Das Interesse der Kandidierenden hielt sich allerdings in sehr engen Grenzen. Der Grund dafür dürfte sein, dass die Bedingungen für eine Mitarbeit als Delegierter oder Delegierte ungenau formuliert und zudem sehr unattraktiv sind.

 

Mehrere zentrale Fragen nicht geregelt
Im neuen Delegiertensystem sind verschiedene zentrale Fragen bisher nicht sauber geregelt worden. So ist zum Beispiel unklar, wie sichergestellt wird, dass die Delegierten wirklich die Meinung der Basis vertreten. Das Reglement der Delegiertenversammlung liegt zudem erst im Entwurf vor – ein professionelles Vorgehen hätte anders ausgesehen.
 
Unbefriedigend sind auch die finanziellen Rahmenbedingungen für die Delegierten. Als Entschädigung ist nur ein Sitzungsgeld vorgesehen. Wo bleibt die Entschädigung für eine Vernetzung mit der Basis, für thematische Arbeit und für eine professionelle Vorbereitung der Versammlungen? Unter dem Strich wird die neue Organisation die Bildungsdirektion rund viermal weniger kosten als die Kapitel. Ist die Umstellung auf ein Delegiertensystem in erster Linie eine Sparübung?
 
Sockelentschädigung und Reglement verbessern
Noch besteht die Möglichkeit, das Reglement grundlegend zu verbessern. Die Lehrpersonenorganisationen erwarten, dass Möglichkeiten geprüft und geschaffen werden, um die demokratische Mitsprache der Lehrpersonen weiterhin sicherzustellen. Zudem ist eine Sockelentschädigung für die Delegierten einzuführen. Ihre Hauptarbeit findet zwischen den Sitzungen statt und muss vergütet werden. Zudem gilt es sicherzustellen, dass sich die Delegierten effizient mit der Basis vernetzen können. Die Lehrpersonenverbände fordern dazu den Einsatz einer IT-Plattform. Nur so wird das neue Delegiertensystem wirklich funktionstüchtig sein und die Interessen der Lehrpersonen wahrnehmen können.