Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband
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18.03.2013 Zwei Zeugnisse: Kantonsrat nimmt Lehrpersonen nicht ernst

Medienmitteilung ZLV - Der Zürcher Kantonsrat will in der gesamten Volksschule weiterhin zwei Zeugnisse pro Jahr ausstellen lassen. Er blockiert damit die Idee, über die Reduktion auf ein Zeugnis pro Jahr die Lehrpersonen zu entlasten. Fast schon zynisch mutet die Begründung der kantonsrätlichen Mehrheit an: Ein Zeugnis pro Jahr würde die Qualität der Schule sinken lassen. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) hält dagegen fest: Die grösste Gefahr für die Qualität der Schule kommt von der permanent starken Überlastung der Lehrkräfte.

Das Ausstellen der Zeugnisse für die Schülerinnen und Schüler auf einmal pro Jahr zu reduzieren, ist ein offizieller Vorschlag aus dem Programm Be-/Entlastung der Bildungsdirektion, um die Lehrpersonen zu entlasten. Der Bildungsrat – ein Fachgremium – wollte die als wirksam anerkannte Massnahme letztes Jahr umsetzen, sistierte das Vorhaben aber, als die heute im Kantonsrat behandelte parlamentarische Initiative eingereicht wurde. Nach der heutigen Diskussion und der vorläufigen Überweisung an den Regierungsrat dürfte die Massnahme für die nächsten Jahre in die Schublade wandern.

 

Für die Lehrpersonen ist dies ein weiteres frustrierendes Erlebnis in ihrem Einsatz für eine erträgliche Belastung im Berufsalltag. Ein Zeugnis auszustellen, ist mit grossem Einsatz verbunden. Unabhängig davon werden Schüler/-innen laufend beurteilt. Ein Feedback wird für jede Arbeit mündlich oder schriftlich in geeigneter Form gegeben. Zum Standard gehören auch  Gespräche mit Schülerinnen, Schülern und Eltern. Das semesterweise Ausfüllen des Zeugnisses bringt keine höhere Qualität. Die Standortbestimmung für Schülerinnen und Schüler wäre trotzdem weiterhin gewährleistet gewesen, zumal die Massnahme nur die 2. bis 5. Klasse betroffen hätte. In der für den Übergang in die Sekundarstufe wichtigen 6. Klasse hätte der Vorschlag weiterhin zwei Zeugnisse vorgesehen.

 

Entlastungsprojekt hat wenig bis nichts gebracht

Der Entscheid des Kantonsrats stellt eine verpasste Chance dar, die Lehrpersonen zu entlasten. Deren Situation und Meinung hat die Politik einmal mehr nicht erst genommen. Schon fast zynisch ist die Begründung der Mehrheit des Kantonsrats: Es gehe ihr um die Qualität der Volksschule. Wenn dem tatsächlich so wäre, müsste sie vielmehr mit der Entlastung der Lehrpersonen vorwärts machen. Auf dieser Ebene gilt jedoch weiterhin: Das aufwändige Projekt Be-/Entlastung hat bisher wenig bis gar nichts gebracht.

 

Ausserdem sprach sich der Kantonsrat auch gegen zusätzliche Ressourcen für die Kindergartenstufe aus. Der ZLV ist über diese kleinliche Haltung sehr enttäuscht. Der Kantonsrat lehnt es damit auf der ganzen Linie ab, die Lehrpersonen zu entlasten.