Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband
Ohmstrasse 14
Postfach 7147
8050 Zürich
Telefon 044 317 20 50
sekretariat@zlv.ch
www.zlv.ch

17.03.2017 Lehrplan 21: Akzeptables Gesamtpaket – Einwände der Lehrpersonen berücksichtigt

Medienmitteilung ZLV - Der Zürcher Bildungsrat hat heute über seinen Beschluss zur Umsetzung des neuen Lehrplans (LP21) informiert. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ist mit dem Resultat insgesamt zufrieden. Es handelt sich um ein akzeptables Gesamtpaket, das die Vorgaben des LP21 berücksichtigt und gleichzeitig Rücksicht auf Zürcher Eigenheiten wie die Wahlfächer in der dritten Sekundarstufe nimmt. Einige Anliegen der Lehrpersonenverbände wurden nach einem teils schwierigen Prozess berücksichtigt, insbesondere in der wichtigen Lektionentafel. In der Fremdsprachenfrage steht der ZLV nicht hinter dem vorliegenden Projekt.

Der ZLV ist erleichtert, dass seine Botschaft «Qualität vor Quantität» bei den Mitgliedern des Bildungsrats Gehör gefunden hat: Der Halbklassenunterricht bleibt mit leichten Abstrichen erhalten und in der Lektionentafel haben die Änderungsvorschläge der Lehrpersonenverbände Berücksichtigung gefunden. «Wichtig war für den ZLV insbesondere, die Schülerinnen und Schüler nicht mit Unterricht zu erdrücken», sagt Vorstandsmitglied Christian Hugi. Der Verband begrüsst es daher, dass auf der Primarstufe das Unterrichtspensum 30 Lektionen nicht übersteigt. Auf Sekundarstufe bleibt das Unterrichtspensum mit 32 bis max. 36 Lektionen weiterhin hoch, aber vertretbar. Im Kindergarten wird künftig überall das gleiche Unterrichtspensum von 20 bzw. 24 Lektionen gelten – dies ist eine längst überfällige Vereinheitlichung.

 

Beim Halbklassenunterricht resultiert im Vergleich mit heute eine Verschlechterung. Es ist den Lehrpersonenverbänden jedoch gelungen, gegenüber ersten Entwürfen eine Verbesserung zu erzielen und die vorgesehenen Reduktionen weitgehend auszubügeln. Immerhin ist sichergestellt, dass der Unterricht in Werken und Haushalt auch weiterhin in der Halbklasse stattfinden kann. Der ZLV wird sich dafür einsetzen, die Klassengrössen zu senken und den Halbklassenunterricht wieder auszubauen. Vor allem im Kindergarten gibt es diesbezüglich dringenden Handlungsbedarf.

 

Umstellung ohne grosse Sprünge

 

Inhaltlich erwartet der ZLV nur bei den neu einzuführenden Fächern wie Medien & Informatik und Berufliche Orientierung spürbare Veränderungen. Leicht neu ausgerichtet werden auch die Fächer Naturkunde und Technik (NaTech), Religionen, Kulturen, Ethik (RKE) sowie Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH). Ansonsten wird der Lehrplanwechsel keine grossen Sprünge erfordern. Die Kompetenzorientierung wird schon heute in vielen Klassenzimmern gelebt und bei den Lehrmitteln sind Massnahmen grösstenteils umgesetzt.

 

 

Medien & Informatik: Infrastruktur fehlt teilweise

 

Auch wenn der Einführungszeitpunkt für den Lehrplan 21 ambitioniert aber realistisch sein mag, so gilt das nicht für das Fach Medien & Informatik: In vielen Schulhäusern fehlt die nötige Infrastruktur weitgehend. Bei der Weiterbildung der Lehrpersonen macht der ZLV einen sehr grossen Handlungsbedarf aus, falls die Bildungsdirektion den vorgesehenen Zeitplan einhalten will.

 

LP21 als Zwischenziel

 

Für den ZLV ist der LP21 ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings kann er nur ein Zwischenziel darstellen. Er harmonisiert in der Deutschschweiz zwar die Lernziele bzw. die Kompetenzen, leistet diese Koordination aber bei der Lektionentafel nicht. Für den ZLV ist eine echte Harmonisierung erst erreicht, wenn für die gleichen Ziele auch überall gleich viele Lektionen eingesetzt werden.

 

Fremdsprachen: Initiative bietet Chance für Korrektur

 

Mit der Fremdspracheninitiative bietet sich der Stimmbevölkerung am 21. Mai die Gelegenheit für eine wichtige Korrektur am Lehrplan 21. Die zweite Fremdsprache muss auf die Sekundarstufe verschoben werden. Die Lehrpersonen weisen – gestützt von den Pisa-Resultaten – seit Jahren darauf hin, dass in dieser Frage Anpassungen nötig sind. Die ungenügenden Ergebnisse in Englisch und Französisch und vor allem in Deutsch zeigen eindeutigen Veränderungsbedarf. Neueste Studien stützen diese Tatsache deutlich.