Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband
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31.08.2016 Lehrpersonen klar für Lehrplan 21, aber gegen die Lektionentafel des Bildungsrats

Medienmitteilung ZLV - Rund drei Viertel der ZLV-Mitglieder unterstützen den Lehrplan 21 (LP 21) grundsätzlich. Dies ist das Resultat einer repräsentativen Umfrage des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Das grosse Aber: Sie machen diese Unterstützung davon abhängig, dass die Vorschläge des ZLV für die Lektionentafel aufgenommen werden. Den Vorschlag des Bildungsrats lehnen sie mit überwältigender Mehrheit ab. Der ZLV wartet nun die Ergebnisse der Vernehmlassung zum LP 21 und den Entscheid des Bildungsrats ab. Den Arbeitsgruppen der Bildungsdirektion bleibt der Verband weiterhin fern.

Der Lehrplan 21 ist für den ZLV ein zentrales Thema. Damit er die Haltung der Basis im laufenden Prozess  bestmöglich vertreten kann, hat er eine Mitgliederumfrage durchgeführt. Rund ein Drittel der angeschriebenen Mitglieder beantwortete die Fragen – das Resultat ist somit repräsentativ für die Mitglieder des grössten Zürcher Lehrpersonenverbands.

 

Die Ergebnisse sind eindeutig ausgefallen. Die Mitglieder des ZLV erweisen sich als konstruktiv mitdenkende Akteure der Zürcher Volksschule, sofern man ihre Anliegen ernst nimmt. 72% begrüssen den LP 21 grundsätzlich als Fortschritt. 28% lehnen den LP 21 ab. Die Zustimmung wird allerdings davon abhängig gemacht, dass der Bildungsrat in seinem Einführungsentscheid auf die Änderungsvorschläge der Lehrpersonen eingeht.

 

Lektionentafel: Qualität vor Quantität

 

Der grösste Streitpunkt zwischen Bildungsrat und ZLV ist die Lektionentafel – diese legt fest, wie viele Stunden jedes Fach in welcher Klasse zugesprochen erhält. Den Vorschlag des Bildungsrats für die Lektionentafel lehnen 88% der ZLV-Mitglieder in der Umfrage ab. Den Änderungsvorschlag der Lehrpersonenverbände heissen dagegen 92% gut. Sie fordern, dass der bewährte und sehr wirkungsvolle Halbklassenunterricht im bisherigen Rahmen beibehalten wird, insbesondere in der 4. bis 6. Klasse. Zudem wollen die Lehrpersonenverbände durchsetzen, dass die Zahl der vom Bildungsrat vorgesehenen Lektionen in der 5. und 6. Klasse sowie in der 8. Klasse reduziert wird. «Qualität muss vor Quantität kommen», sagt ZLV-Präsidentin Lilo Lätzsch.

 

Ein weiterer Kritikpunkt des ZLV ist der Vorschlag des Bildungsrats, im Rahmen der Einführung des LP 21 den Paragraphen 21a ersatzlos aus dem Volksschulgesetz zu streichen. Der Passus legt die Unterrichtszeit des Fachs Handarbeit in der Primar- und Sekundarstufe sowie weitere Details dazu fest. Der ZLV schlägt vor, den Paragraphen 21a nicht zu streichen, sondern anzupassen. 86% der Mitglieder haben diesen Weg in der Umfrage unterstützt.

 

Der ZLV hat die Haltung seiner Mitglieder in die Antwort auf die Vernehmlassung zu den bildungsrätlichen Vorschlägen zum LP 21 einfliessen lassen. Der Verband wartet nun die Ergebnisse der Vernehmlassung und den noch dieses Jahr zu erwartenden Entscheid des Bildungsrates ab. ZLV-Präsidentin Lilo Lätzsch: «Wir hoffen sehr stark, dass der Bildungsrat die fundierten Rückmeldungen der Lehrerschaft berücksichtigen wird und dass wir danach die Einführung des LP 21 unterstützen können.»

 

ZLV bleibt Arbeitsgruppen fern

 

Seit März 2016 hat der ZLV die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen der Bildungsdirektion zur Einführung des LP 21 sistiert. Der Grund war, dass die Resultate der Arbeitsgruppen von den Steuerungsgremien regelmässig übergangen wurden. Da die Bildungsdirektion die Entscheidungsprozesse nicht geändert hat, sieht der ZLV zurzeit keinen Grund in die Begleit- und Arbeitsgruppen zurückzukehren. Die vom Kantonsrat in die bildungsrätliche Kommission Lehrplan 21 gewählten ZLV-Vertretenden werden ihre Aufgabe jedoch wie bisher wahrnehmen.