Zürcher Lehrpersonen stehen hinter der inklusionsorientierten Schule – fordern aber bessere Rahmenbedingungen

Die heute publizierte LCH-Umfrage zeigt: Eine Mehrheit der Zürcher Lehrpersonen steht der inklusionsorientierten Schule positiv gegenüber. Gleichzeitig fehlen vielen Lehrpersonen die zeitlichen Ressourcen, um den steigenden Anforderungen im Schulalltag gerecht zu werden. Nur jede fünfte befragte Lehrperson im Kanton Zürich gibt an, eher oder eindeutig genügend Zeit für ihre Aufgaben zu haben. Für den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ZLV ist deshalb klar: Entscheidend sind die Bedingungen, unter denen die inklusionsorientierte Schule umgesetzt wird.

Medienmitteilung vom 13. August 2026

 

Die inklusionsorientierte Schule ist darauf ausgerichtet, möglichst alle Kinder und Jugendlichen gemeinsam zu unterrichten – unabhängig von ihren körperlichen, geistigen, sozialen oder leistungsbezogenen Voraussetzungen. Für den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ZLV ist das Resultat der Umfrage seines Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) ein klares Signal: Die befragten Zürcher Lehrpersonen tragen den Grundgedanken der inklusionsorientierten Schule mit. 

 

Auf die Frage nach ihrer persönlichen Haltung dazu antworteten 21% mit sehr positiv, 38% mit eher positiv. Im Vergleich mit den gesamtschweizerischen Werten sind die Zürcher Lehrpersonen deutlich positiver eingestellt (CH: 14% sehr positiv; 36% eher positiv). 59 Prozent der antwortenden Zürcher Lehrpersonen beurteilen den Einfluss dieses Ansatzes auf den Lernerfolg der Gesamtklasse positiv, eher positiv oder neutral. Bei Schülerinnen und Schülern mit Unterstützungs- und Förderbedarf sehen knapp 50 Prozent einen positiven oder eher positiven Einfluss, weitere 29 Prozent beurteilen ihn als neutral.

 

Für den ZLV bestätigen diese Resultate den eingeschlagenen Weg. Entscheidend ist nun, die Rahmenbedingungen für eine funktionierende inklusionsorientierte Schule zu verbessern.

 

4 von 5 Lehrpersonen haben nicht genügend zeitliche Ressourcen

 

Die Umfrage macht den Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen deutlich: Nur 20 Prozent der Zürcher Lehrpersonen geben an, eindeutig oder eher über genügend zeitliche Ressourcen für ihre Aufgaben zu verfügen. Vier von fünf Lehrpersonen fehlt damit nach eigener Einschätzung die nötige Zeit. «Genau hier müssen wir ansetzen», sagt Lena Fleisch. «Von den Lehrpersonen wird zu Recht erwartet, dass sie auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen, guten Unterricht vorbereiten, Kinder individuell begleiten und eng mit Eltern und Fachpersonen zusammenarbeiten. Dafür muss aber auch genügend Arbeitszeit vorgesehen sein.»

 

Die Belastung im Schulalltag lässt sich nicht allein auf die inklusionsorientierte Schule zurückführen – und würde mit weniger davon auch nicht einfach verschwinden. Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungs- und Förderbedarf machen nur einen kleinen Teil einer Klasse aus. Die Herausforderung ist grösser. Der Unterricht wird heute für alle Kinder und Jugendlichen stärker individualisiert und auf unterschiedliche Bedürfnisse ausgerichtet. 

 

Gleichzeitig muss die Schule Kinder auf eine zunehmend komplexe und digitalisierte Welt vorbereiten. Hinzu kommen zeitintensive Aufgaben ausserhalb des Unterrichts – von der Vor- und Nachbereitung über Elternkontakte bis zu Projekten und Lagern. 

 

Gute Schule braucht gute Rahmenbedingungen 


Der ZLV fordert deshalb bessere Rahmenbedingungen für die Zürcher Lehrpersonen. Die Umfrage zeigt: Gute Schule braucht Zeit – unabhängig davon, ob es um den inklusionsorientierten Ansatz, individualisierten Unterricht oder die zahlreichen weiteren Aufgaben der Lehrpersonen geht. Ein wichtiger Schritt dafür ist der Lehrpersonal-Kompromiss (lehrpersonal-kompromiss.ch), über den die Zürcher Stimmbevölkerung am 27. September 2026 abstimmt. Er sorgt dafür, dass der tatsächliche Arbeitsaufwand der Lehrpersonen im Berufsauftrag besser abgebildet wird.

Datum

13.08.2026