Nicht auf dem Buckel der Lehrpersonen – ZLV begrüsst separate Debatte über den Kostenteiler der Volksschule

Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ZLV begrüsst aktuelle Vorstösse im Kantonsrat zum Kostenteiler zwischen Kanton und Gemeinden bei der Volksschule. Diese ermöglichen eine dringend notwendige Grundsatzdebatte dazu. Viele Gemeinden haben primär aus finanziellen Gründen das Referendum gegen den Lehrpersonal-Kompromiss ergriffen, der eine Verbesserung des Berufsauftrags vorsieht und eine starke Volksschule sichert. Aus diesem Grund sieht es der ZLV als wichtigen Schritt, dass die Debatte zur Schulfinanzierung nun unabhängig von der Volksabstimmung im Herbst geführt wird. 

Medienmitteilung vom 27.05.2026

 

Der Zürcher Kantonsrat hat im Frühling 2026 einen fairen Kompromiss zur Verbesserung des Berufsauftrags für Lehrpersonen beschlossen. Dieser sieht vor, die Klassenlehrpersonenpauschale von heute 100 auf 160 Stunden zu erhöhen und den Lektionenfaktor von 58 auf 59 Stunden anzupassen. Für den ZLV ist dieser Beschluss ein wichtiger Schritt: Er korrigiert strukturelle Fehler im Berufsauftrag und anerkennt zumindest teilweise die Gratisarbeit, die Lehrpersonen heute bereits leisten.

Gegen diesen Lehrpersonal-Kompromiss haben FDP und SVP sowie zahlreiche Zürcher Gemeinden das Referendum ergriffen. In der öffentlichen Begründung stand dabei weniger der Inhalt der Vorlage im Zentrum als vielmehr die Frage, wer die daraus entstehenden Mehrkosten trägt. Aufgrund des heutigen Kostenteilers fallen rund 80 Prozent der Kosten bei den Gemeinden an, während der Kanton rund 20 Prozent übernimmt. Der Konflikt um die Schulfinanzierung überlagert damit eine sachlich notwendige Verbesserung des Berufsauftrags, welche der gesamten Volksschule zugutekommen würde.

 

Diskussionen über Kostenteiler und Berufsauftrag voneinander trennen


«Die Abstimmung zum Lehrpersonal-Kompromiss und damit über die Korrektur des Berufsauftrags darf nicht zur Abstimmung über den Kostenteiler werden», sagt ZLV-Präsidentin Lena Fleisch. Wenn Gemeinden und Parteien den heutigen Verteilschlüssel als problematisch beurteilen, ist der Kantonsrat der richtige Ort, um diese Frage zu klären. Beim Lehrpersonal-Kompromiss geht es um ein ganz anderes Thema, nämlich um faire Anstellungsbedingungen für die Lehrpersonen und um die Qualität der Volksschule insgesamt. Lena Fleisch: «Der Streit um den Kostenteiler wird momentan auf dem Buckel der Lehrpersonen und der Volksschule ausgetragen – das darf nicht sein.»

Der ZLV begrüsst deshalb, dass mit einem Postulat (GLP, EVP) und einer Motion (GLP) nun genau diese Finanzierungsfrage auf parlamentarischem Weg aufgegriffen wird. Das Postulat verlangt eine umfassende Analyse der Kostenaufteilung zwischen Kanton und Gemeinden bei gemeinsamen Aufgaben. Die Motion will den Kostenteiler bei den Lehrpersonalkosten zugunsten der Gemeinden anpassen. Damit wird deutlich: Es gibt einen politischen Weg, um die Lastenverteilung zwischen Kanton und Gemeinden separat und sachgerecht zu diskutieren.

 

Klassenlehrpersonen müssen gestärkt werden


Für den ZLV ist entscheidend, dass diese Debatte nicht gegen die Verbesserung des Berufsauftrags ausgespielt wird. Die Zürcher Volksschule steht unter hohem Druck. Lehrpersonen leisten seit Jahren erhebliche unbezahlte Überzeit. Besonders Klassenlehrpersonen tragen mit Elternarbeit, Organisation, Koordination, Konfliktbearbeitung und administrativen Aufgaben eine Verantwortung, die im heutigen Berufsauftrag unzureichend abgebildet ist. Das belastet die Lehrpersonen, verschärft den Lehrpersonenmangel und gefährdet langfristig die Qualität der Volksschule.

Der vom Kantonsrat beschlossene Lehrpersonal-Kompromiss löst nicht alle Probleme. Er ist aber ein pragmatischer und breit abgestützter Schritt. Er verbessert die Situation der Lehrpersonen, stärkt die Attraktivität des Berufs und leistet damit einen Beitrag zu einer verlässlichen Schule für Kinder, Eltern und Gemeinden.

Der ZLV hofft, dass die Stimmberechtigten diesen Zusammenhang erkennen: Wer die Schulfinanzierung neu austarieren will, soll diese Frage im Kantonsrat klären lassen. Wer eine starke Volksschule will, sagt im Herbst an der Urne Ja zum Lehrpersonal-Kompromiss.

Datum

27.05.2026