Corona-Virus-Pandemie: Fragen und Antworten

(aktualisiert am 23. März 2020)

1.  Kann der Arbeitgeber vorschreiben, dass Lehrpersonen in der Schule arbeiten müssen?
> Ja, wenn Sie gesund sind, zu keiner Risikogruppe gehören und zwingende Aufgaben im Schulhaus erledigen müssen (z.B. Betreuungsaufgaben).
> Kommentar ZLV: Es soll nur in den Schulen präsent sein, wer zwingend vor Ort sein muss. Alle anderen arbeiten von zuhause aus. Der öffentliche Verkehr ist zu meiden. Teamsitzungen, Besprechungen und ähnliches sollen im virtuellen Raum stattfinden oder auf später verschoben werden. Lehrpersonen mit eigenen Kindern sollen keine Präsenzaufgaben erfüllen müssen und arbeiten von zuhause aus.

2. Müssen Lehrpersonen Betreuungsaufgaben übernehmen?
> Ja, bei Bedarf kann die Schulleitung Lehrpersonen auch für Betreuungsaufgaben einsetzen.
> Kommentar ZLV: Als Schulteam halten wir in dieser Krise zusammen und unterstützen uns bestmöglich gegenseitig. Für Klassenlehrpersonen stehen die Kontaktpflege mit den Schülerinnen und Schülern und der Fernunterricht im Vordergrund. Betreuungsaufgaben übernehmen sie nur, wenn dies zwingend nötig ist und kein anderes Personal dafür eingesetzt werden kann.

3. Müssen Lehrpersonen mit Kurzarbeit bzw. Lohnkürzungen rechnen?
> Nein, die Arbeitsverpflichtung gilt weiterhin, und es wird der volle Lohn ausgerichtet (personalrechtliche Fragen VSA).
> Kommentar ZLV: Die Lehrpersonen unterrichten zwar unter anderen Voraussetzungen, aber dennoch in üblichem Umfang und soweit als möglich gemäss Lehrplan. Es ist folgerichtig, dass sie dafür auch wie gewohnt entlöhnt werden.

4. Wie wirkt sich die Situation auf Vikarinnen und Vikare aus?
> Vikarinnen und Vikare stehen in keinem festen Arbeitsverhältnis. Bestehende Vikariate laufen bis zur vereinbarten Frist weiter. Es werden vorerst keine neuen Vikariate abgeordnet (personalrechtliche Fragen VSA).
> Kommentar ZLV: Gerade in Zeiten wo es an Lehrpersonen mangelt, kommt Vikarinnen und Vikaren eine bedeutende Rolle zu. Sie haben in Zeiten des Lehrermangels eine wichtige Pufferfunktion und helfen den Schulen durch Engpässe. Auch wenn sie nicht fest angestellt sind, verdienen Vikarinnen und Vikare deshalb in der aktuellen Situation Solidarität. Schulleitungen und Schulgemeinden sollen die individuelle Situation «ihrer» Vikare und Vikarinnen erfragen und wenn nötig und möglich Unterstützung anbieten. Lehrpersonen in prekären finanziellen Situationen können sich an die «Hilfskasse für Lehrpersonen» wenden.

5. Gibt es verbindliche Vorgaben zum Fernunterricht? Welche?
> Ja, das Volksschulamt hat ein Dokument zu Fragen rund um den Fernunterricht veröffentlicht. Es gibt etwa Auskunft über zeitliche Richtwerte für den Unterricht, zu Beurteilungsfragen und zu Fragen der Chancengerechtigkeit.
> Kommentar ZLV: Es ist schon im normalen Schulbetrieb eine riesige Herausforderung, Chancengerechtigkeit herzustellen. Die Corona-Pandemie wirkt sich zusätzlich negativ verzerrend aus. Daher sind Mindeststandards und kantonale Vorgaben vom Volksschulamt grundsätzlich sinnvoll und erwünscht. Die Umstellung und die erschwerenden Voraussetzungen erfordern Augenmass und Pragmatismus. Je länger die Krise dauert, desto wichtiger werden allgemeingültige Vorgaben und Standards.

6. Wie kann die Chancengerechtigkeit trotz Fernunterricht gewährleistet werden?

> Wichtig ist, dass der Kontakt zwischen der Schule und den sozial und/oder sprachlich benachteiligten Schülerinnen und Schülern erhalten bleibt. In absoluten Ausnahmefällen sind Einzelstunden erlaubt (FAQ Fernunterricht VSA).
> Kommentar ZLV: Die Chancengerechtigkeit darf in dieser Krisensituation auf keinen Fall vernachlässigt werden. Besonders Schülerinnen und Schüler aus sogenannt bildungsfernen Schichten, mit Migrationshintergrund, aus sozial belasteten Familien und/oder mit Behinderungen sind besonders schutzbedürftig. Der Fernunterricht verschärft die Problematik zusätzlich. Die Schulgemeinden und die Schulteams, die KESB und die Sozialämter sind besonders gefordert, diese Kinder und Familien weiterhin eng zu begleiten. Betreuungsphasen in der Schule können eine wichtige Hilfe oder Massnahme sein. Im Vordergrund steht die Aufrechterhaltung des direkten Kontakts mit den Kindern und den Eltern.

7. Was tun, wenn Schülerinnen und Schüler zuhause kein Computer zu Verfügung steht?
> in Abklärung
> Kommentar ZLV: Im Grundsatz ist die Schulgemeinde für geeignetes Schulmaterial verantwortlich. Es kann von den Gemeinden aber nicht erwartet werden, dass sie jetzt sofort alle Schülerinnen und Schüler mit elektronischen Geräten ausstatten. Vorhandene Geräte sollen unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden, wenn dies wirklich nötig ist. Momentan sollten die Lehrpersonen hauptsächlich analoge Lehrmittel einsetzen. Dauert die Krise länger, sind aber andere Lösungen gefragt.

8. Gilt überhaupt noch Schulpflicht?
> Ja, der Unterricht in den Schulen ist zwar vom Bund untersagt, nicht aber grundsätzlich ausgesetzt. Der Lehrplan gilt prinzipiell weiterhin, dennoch ist klar, dass nicht alle Lernziele gleichermassen erreicht werden können. Die Blockzeiten müssen nicht eingehalten werden.
> Kommentar ZLV: Der Unterricht geht in anderer Form und unter erschwerten Bedingungen weiter. Dies beeinträchtigt vieles, bietet aber zum Teil auch neue Chancen. An einer verbindlichen Teilnahme am Unterricht – wenn auch nicht zu Blockzeiten – ist festzuhalten. Dauert die Krise länger, müssen klare Zeitfenster definiert werden, in denen Unterricht stattfindet. Bei Umfang und Komplexität der Aufgaben ist auf ein für alle verträgliches Mass zu achten.

9. Inwiefern kann bzw. muss der Lehrplan eingehalten werden?
> Der Lehrplan gilt grundsätzlich weiterhin, dennoch ist klar, dass nicht alle Lernziele gleichermassen erreicht werden können. (FAQ Fernunterricht VSA)
> Kommentar ZLV: Auch der Fernunterricht soll sich am Lehrplan orientieren. Den ungewohnten, erschwerenden Umständen muss aber Rechnung getragen werden. Es ist klar, dass der Lehrplan nur mit Einschränkungen eingehalten werden kann. Dauert die Schulschliessung länger an, sind diese genauer zu erörtern und allfällige Abweichungen vom Lehrplan kantonal einheitlich zu regeln.

10. Darf ich Schülerinnen und Schüler in die Schule bestellen?
> In absoluten Ausnahmefällen (Gefährdung der Chancengerechtigkeit) dürfen Einzelstunden angeboten werden. (FAQ Fernunterricht VSA)
> Kommentar ZLV: Solang keine Ausgangssperre besteht und bei sehr dringendem Bedarf sollte etwa ein Materialaustausch möglich sein. Dabei sind die Weisungen des Bundes bezüglich Abstand, Hygiene und Besammlungen zwingend einzuhalten. Gemäss Weisungen des Bundes darf eine Gruppe nicht grösser als 5 Personen sein, somit können neben der Lehrperson höchsten 4 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig vor Ort anwesend sein. Darüber hinaus sollen ausser in den erwähnten Ausnahmefällen keine Schülerinnen und Schüler in die Schule kommen und Lehrpersonen von zuhause aus arbeiten.

11. Sollen Lehrpersonen auch im Fernunterricht Lernkontrollen und Tests durchführen?
> Nein, vorerst sollen keine summativen Prüfungen und Lernkontrollen durchgeführt werden. (FAQ Fernunterricht VSA)
> Kommentar ZLV: Jetzt geht es zuerst darum, Fernunterricht zu etablieren sowie den Schülerinnen und Schülern und ihren Familien Zeit zu geben, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Dabei ist es wichtig, beim Unterrichtsstoff und bei den Aufgaben Mass zu halten. Auch die Lehrpersonen müssen sich viele neue Techniken aneignen, neue Methoden ausprobieren und Unterricht zum Teil ganz neu denken. Bevor man mit Prüfungen und Tests startet, müssen sich erst stabile Strukturen und Routinen etablieren können. Das alles braucht Vertrauen, Zeit, Geduld und viel guten Willen sowie Freude und Neugierde. Qualitäten, die wir Lehrpersonen schon immer hochgehalten haben.

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