Corona-Virus-Pandemie: Fragen und Antworten

1. Kann der Arbeitgeber vorschreiben, dass Lehrpersonen in der Schule arbeiten müssen?
2. Müssen Lehrpersonen Betreuungsaufgaben übernehmen?
3. Müssen Lehrpersonen mit Kurzarbeit bzw. Lohnkürzungen rechnen?
4. Wie wirkt sich die Situation auf Vikarinnen und Vikare aus?
5. Gibt es verbindliche Vorgaben zum Fernunterricht? Welche?
6. Wie kann die Chancengerechtigkeit trotz Fernunterricht gewährleistet werden?
7. Was tun, wenn Schülerinnen und Schüler zuhause kein Computer zu Verfügung steht?
8. Gilt überhaupt noch Schulpflicht?
9. Inwiefern kann bzw. muss der Lehrplan eingehalten werden?
10. Darf ich Schülerinnen und Schüler in die Schule bestellen?
11. Sollen Lehrpersonen auch im Fernunterricht Lernkontrollen und Tests durchführen?


Die folgenden Fragen und Antworten beziehen sich auf die Zeit ab Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts (11. Mai 2020).

12. Kann der Arbeitgeber vorschreiben, dass Lehrpersonen ab 11. Mai vor Ort in der Schule arbeiten müssen?

13. Müssen Lehrpersonen aus Risikogruppen Präsenzunterricht geben?

14. Welche Aufgaben müssen Lehrpersonen aus Risikogruppen ausüben? Wer bestimmt, welche Aufgaben sie wahrzunehmen haben?

15. Müssen Lehrpersonen aus Risikogruppen an Teamsitzungen etc. im Schulhaus teilnehmen?

16. Was machen Lehrpersonen, die zuhause eigene Kinder betreuen müssen, welche aufgrund des Halbklassenunterrichts nicht in die Schule gehen können?

17. Was machen Lehrpersonen, wenn ein eigenes Kind krank ist?

18. Müssen Lehrpersonen mit im gleichen Haushalt lebenden Angehörigen aus Risikogruppen Präsenzunterricht geben?

19. Müssen Lehrpersonen Betreuungsaufgaben übernehmen?

20. Wie sollen Lehrpersonen insbesondere im Kindergarten und in den tieferen Klassen den 2-Meter-Abstand einhalten können?

(aktualisiert am 30. April 2020)

1.  Kann der Arbeitgeber vorschreiben, dass Lehrpersonen in der Schule arbeiten müssen?
> Ja, wenn Sie gesund sind, zu keiner Risikogruppe gehören und zwingende Aufgaben im Schulhaus erledigen müssen (z.B. Betreuungsaufgaben).
> Kommentar ZLV: Es soll nur in den Schulen präsent sein, wer zwingend vor Ort sein muss. Alle anderen arbeiten von zuhause aus. Der öffentliche Verkehr ist zu meiden. Teamsitzungen, Besprechungen und ähnliches sollen im virtuellen Raum stattfinden oder auf später verschoben werden. Lehrpersonen mit eigenen Kindern sollen keine Präsenzaufgaben erfüllen müssen und arbeiten von zuhause aus.

2. Müssen Lehrpersonen Betreuungsaufgaben übernehmen?
> Ja, bei Bedarf kann die Schulleitung Lehrpersonen auch für Betreuungsaufgaben einsetzen.
> Kommentar ZLV: Als Schulteam halten wir in dieser Krise zusammen und unterstützen uns bestmöglich gegenseitig. Für Klassenlehrpersonen stehen die Kontaktpflege mit den Schülerinnen und Schülern und der Fernunterricht im Vordergrund. Betreuungsaufgaben übernehmen sie nur, wenn dies zwingend nötig ist und kein anderes Personal dafür eingesetzt werden kann.

3. Müssen Lehrpersonen mit Kurzarbeit bzw. Lohnkürzungen rechnen?
> Nein, die Arbeitsverpflichtung gilt weiterhin, und es wird der volle Lohn ausgerichtet (personalrechtliche Fragen VSA).
> Kommentar ZLV: Die Lehrpersonen unterrichten zwar unter anderen Voraussetzungen, aber dennoch in üblichem Umfang und soweit als möglich gemäss Lehrplan. Es ist folgerichtig, dass sie dafür auch wie gewohnt entlöhnt werden.

4. Wie wirkt sich die Situation auf Vikarinnen und Vikare aus?
> Vikarinnen und Vikare stehen in keinem festen Arbeitsverhältnis. Bestehende Vikariate laufen bis zur vereinbarten Frist weiter. Es werden vorerst keine neuen Vikariate abgeordnet (personalrechtliche Fragen VSA).
> Kommentar ZLV: Gerade in Zeiten wo es an Lehrpersonen mangelt, kommt Vikarinnen und Vikaren eine bedeutende Rolle zu. Sie haben in Zeiten des Lehrermangels eine wichtige Pufferfunktion und helfen den Schulen durch Engpässe. Auch wenn sie nicht fest angestellt sind, verdienen Vikarinnen und Vikare deshalb in der aktuellen Situation Solidarität. Der ZLV hat bezüglich einer raschen Lösung für die Vikarinnen und Vikare bei der Bildungsdirektion interveniert. Schulleitungen und Schulgemeinden sollen die individuelle Situation «ihrer» Vikare und Vikarinnen erfragen und wenn nötig und möglich Unterstützung anbieten. Lehrpersonen in prekären finanziellen Situationen können sich an die «Hilfskasse für Lehrpersonen» wenden.

5. Gibt es verbindliche Vorgaben zum Fernunterricht? Welche?
> Ja, das Volksschulamt hat ein Dokument zu Fragen rund um den Fernunterricht veröffentlicht. Es gibt etwa Auskunft über zeitliche Richtwerte für den Unterricht, zu Beurteilungsfragen und zu Fragen der Chancengerechtigkeit.
> Kommentar ZLV: Es ist schon im normalen Schulbetrieb eine riesige Herausforderung, Chancengerechtigkeit herzustellen. Die Corona-Pandemie wirkt sich zusätzlich negativ verzerrend aus. Daher sind Mindeststandards und kantonale Vorgaben vom Volksschulamt grundsätzlich sinnvoll und erwünscht. Die Umstellung und die erschwerenden Voraussetzungen erfordern Augenmass und Pragmatismus. Je länger die Krise dauert, desto wichtiger werden allgemeingültige Vorgaben und Standards.

6. Wie kann die Chancengerechtigkeit trotz Fernunterricht gewährleistet werden?

> Wichtig ist, dass der Kontakt zwischen der Schule und den sozial und/oder sprachlich benachteiligten Schülerinnen und Schülern erhalten bleibt. In absoluten Ausnahmefällen sind Einzelstunden erlaubt (FAQ Fernunterricht VSA).
> Kommentar ZLV: Die Chancengerechtigkeit darf in dieser Krisensituation auf keinen Fall vernachlässigt werden. Besonders Schülerinnen und Schüler aus sogenannt bildungsfernen Schichten, mit Migrationshintergrund, aus sozial belasteten Familien und/oder mit Behinderungen sind besonders schutzbedürftig. Der Fernunterricht verschärft die Problematik zusätzlich. Die Schulgemeinden und die Schulteams, die KESB und die Sozialämter sind besonders gefordert, diese Kinder und Familien weiterhin eng zu begleiten. Betreuungsphasen in der Schule können eine wichtige Hilfe oder Massnahme sein. Im Vordergrund steht die Aufrechterhaltung des direkten Kontakts mit den Kindern und den Eltern.

7. Was tun, wenn Schülerinnen und Schüler zuhause kein Computer zu Verfügung steht?
> Die Verfügbarkeit von IT-Geräten für die Schülerinnen und Schüler ist je nach Schulgemeinde und Situation im Haushalt sehr unterschiedlich.
> Kommentar ZLV: Im Grundsatz ist die Schulgemeinde für geeignetes Schulmaterial verantwortlich. Es kann von den Gemeinden aber nicht erwartet werden, dass sie jetzt sofort alle Schülerinnen und Schüler mit elektronischen Geräten ausstatten. Vorhandene Geräte sollen unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden, wenn dies wirklich nötig ist. Momentan sollten die Lehrpersonen hauptsächlich analoge Lehrmittel einsetzen. Da der Fernunterricht nach den Frühlingsferien fortgesetzt wird, sollte die Bildungsdirektion diesem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken.

8. Gilt überhaupt noch Schulpflicht?
> Ja, der Unterricht in den Schulen ist zwar vom Bund untersagt, nicht aber grundsätzlich ausgesetzt. Der Lehrplan gilt prinzipiell weiterhin, dennoch ist klar, dass nicht alle Lernziele gleichermassen erreicht werden können. Die Blockzeiten müssen nicht eingehalten werden.
> Kommentar ZLV: Der Unterricht geht in anderer Form und unter erschwerten Bedingungen weiter. Dies beeinträchtigt vieles, bietet aber zum Teil auch neue Chancen. An einer verbindlichen Teilnahme am Unterricht – wenn auch nicht zu Blockzeiten – ist festzuhalten. Dauert die Krise länger, müssen klare Zeitfenster definiert werden, in denen Unterricht stattfindet. Bei Umfang und Komplexität der Aufgaben ist auf ein für alle verträgliches Mass zu achten.

9. Inwiefern kann bzw. muss der Lehrplan eingehalten werden?
> Der Lehrplan gilt grundsätzlich weiterhin, dennoch ist klar, dass nicht alle Lernziele gleichermassen erreicht werden können. (FAQ Fernunterricht VSA)
> Kommentar ZLV: Auch der Fernunterricht soll sich am Lehrplan orientieren. Den ungewohnten, erschwerenden Umständen muss aber Rechnung getragen werden. Es ist klar, dass der Lehrplan nur mit Einschränkungen eingehalten werden kann. Dauert die Schulschliessung länger an, sind diese genauer zu erörtern und allfällige Abweichungen vom Lehrplan kantonal einheitlich zu regeln.

10. Darf ich Schülerinnen und Schüler in die Schule bestellen?
> In absoluten Ausnahmefällen (Gefährdung der Chancengerechtigkeit) dürfen Einzelstunden angeboten werden. (FAQ Fernunterricht VSA)
> Kommentar ZLV: Solang keine Ausgangssperre besteht und bei sehr dringendem Bedarf sollte etwa ein Materialaustausch möglich sein. Dabei sind die Weisungen des Bundes bezüglich Abstand, Hygiene und Besammlungen zwingend einzuhalten. Gemäss Weisungen des Bundes darf eine Gruppe nicht grösser als 5 Personen sein, somit können neben der Lehrperson höchsten 4 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig vor Ort anwesend sein. Darüber hinaus sollen ausser in den erwähnten Ausnahmefällen keine Schülerinnen und Schüler in die Schule kommen und Lehrpersonen von zuhause aus arbeiten.

11. Sollen Lehrpersonen auch im Fernunterricht Lernkontrollen und Tests durchführen?
> Es sollen keine summativen Prüfungen und Lernkontrollen durchgeführt werden. (FAQ Fernunterricht VSA)
> Kommentar ZLV: Auch nach den Frühlingsferien ist es wichtig, im Fernunterricht beim Unterrichtsstoff und bei den Aufgaben Mass zu halten. Muss der Fernunterricht nach den Frühlingsferien fortgesetzt werden, sollten Lernkontrollen durchgeführt werden, um beurteilen zu können, ob die Schülerinnen und Schüler die Lernziele erreichen.

Die folgenden Fragen und Antworten beziehen sich auf die Zeit ab Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts (11. Mai 2020). Die ab dann gültige personalrechtliche Weisung der Bildungsdirektion findet sich hier. Für individuelle Auskünfte steht die Beratungsstelle des ZLV zur Verfügung.

 

12. Kann der Arbeitgeber vorschreiben, dass Lehrpersonen ab 11. Mai vor Ort in der Schule arbeiten müssen?

Ja, wenn Sie gesund sind und zu keiner Risikogruppe gehören. Diese Lehrpersonen erbringen ihre Arbeitsleistung vor Ort gemäss dem von der Schulleitung für die Zeit ab 11. Mai erarbeiteten Stundenplan oder gemäss einer spezifischen Arbeitszuweisung durch die Schulleitung innerhalb des neu definierten Berufsauftrags. Der ZLV begrüsst aus pädagogischer Sicht den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht. Dabei muss allerdings die Gesundheit aller Personen an den Schulen oberste Priorität haben. Die einzelnen Schulen müssen deshalb die Vorgaben des von Bund und Kanton erarbeiteten Schutzkonzepts einhalten können.

 

13. Müssen Lehrpersonen aus Risikogruppen Präsenzunterricht geben?

Nein. Lehrpersonen, welche zur Risikogruppe (gemäss Art. 10b Abs. 2 i.V.m. Anhang 6 Covid-19 Verordnung 2) gehören, arbeiten weiterhin von zuhause aus. Sie müssen ihre Gefährdung gegenüber der Schulleitung so rasch wie möglich geltend machen. Die Schulleitung kann ein ärztliches Attest verlangen. Die Schulen sind aktuell angehalten, so rasch als möglich zu klären, welche ihrer Mitarbeitenden zur Risikogruppe gehören. Der ZLV begrüsst, dass Personen aus der Risikogruppe weiterhin vom Präsenzunterricht befreit sind. Es gilt das Gebot der Vorsicht.

 

14. Welche Aufgaben müssen Lehrpersonen aus Risikogruppen ausüben? Wer bestimmt, welche Aufgaben sie wahrzunehmen haben?

Die betroffenen Lehrpersonen werden weiterhin vom Präsenzunterricht dispensiert. Nach Möglichkeit wird ihnen eine adäquate Ersatzarbeit zugewiesen (z.B. den Fernunterricht für jene Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, die aufgrund des Halbklassenunterrichts gerade zuhause arbeiten oder die aufgrund einer COVID-19-Erkrankung in der Familie in Selbstquarantäne weilen). Je nach Risiko und Gefährdung bzw. Möglichkeit der Umsetzung empfohlener Schutzmassnahmen kann auch eine Arbeit in der Schule mit möglichst wenigen Aussenkontakten verrichtet werden.

 

15. Müssen Lehrpersonen aus Risikogruppen an Teamsitzungen etc. im Schulhaus teilnehmen?

Der Schutz der Gesundheit hat Priorität. Es sollen auch sonst keine oder möglichst wenige Präsenzsitzungen stattfinden.

 

16. Was machen Lehrpersonen, die zuhause eigene Kinder betreuen müssen, welche aufgrund des Halbklassenunterrichts nicht in die Schule gehen können?

Für den Präsenzunterricht ist die Anwesenheit der Lehrperson vor Ort zwingend. Deshalb kann der Lehrperson in diesem Fall kein Homeoffice bzw. Fernunterricht gewährt werden. Sie muss für ihre Kinder eine andere Betreuungsmöglichkeit suchen. Da der Lehrberuf als systemrelevant gilt, kann auch kurzfristig ein Platz in einer Kita oder in der Tagesbetreuung zu beantragt werden. Auf Antrag der Lehrperson kann die Gewährung eines unbezahlten Urlaubs oder die vorübergehende Reduktion des Beschäftigungsgrads geprüft werden. Aus Sicht des ZLV braucht es für den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht jede verfügbare Lehrperson. Er ruft deshalb Schulleitungen und Gemeinden auf, für Lehrpersonen mit erschwerten Betreuungsbedingungen unkomplizierte individuelle Lösungen zu entwickeln.

 

17. Was machen Lehrpersonen, wenn ein eigenes Kind krank ist?

Solange es sich nicht um eine Corona-Infektion handelt, gelten die bisher üblichen Regeln. Eine Lehrperson kann zuhause bleiben, um ihr Kind zu pflegen. Wenn ein Kind an einer Corona-Infektion erkrankt, gelten die entsprechenden Isolations- und Quarantäne-Regeln.

 

18. Müssen Lehrpersonen mit im gleichen Haushalt lebenden Angehörigen aus Risikogruppen Präsenzunterricht geben?

Der Arbeitgeber hat die Fürsorgepflicht für seine Angestellten wahrzunehmen. Eine darüber hinaus gehende Fürsorgepflicht für weitere Familienmitglieder, Mitbewohner oder enge Bekannte ist gesetzlich grundsätzlich nicht vorgesehen. Entsprechend sind die Schutzmassnahmen des BAG in erster Linie zuhause bzw. bei der betroffenen besonders gefährdeten Person umzusetzen.

Für den Präsenzunterricht ist die Anwesenheit der gesunden Lehrperson vor Ort zwingend. Deshalb kann der Lehrperson in diesem Fall kein Homeoffice bzw. Fernunterricht gewährt werden.

Auf Antrag der Lehrperson kann die Gewährung eines unbezahlten Urlaubs geprüft werden. Aus Sicht des ZLV braucht es für den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht jede verfügbare Lehrperson. Er ruft deshalb Schulleitungen und Gemeinden auf, für Lehrpersonen mit Angehörigen aus Risikogruppen gegebenenfalls zusammen mit den Hausärzten unkomplizierte individuelle Lösungen zu entwickeln.

 

19. Müssen Lehrpersonen Betreuungsaufgaben übernehmen?

Ja, bei Bedarf kann die Schulleitung Lehrpersonen auch für Betreuungsaufgaben einsetzen.

Für den ZLV ist es wichtig, dass wir als Schulteam in dieser Krise zusammenhalten und uns bestmöglich gegenseitig unterstützen. Für Klassenlehrpersonen steht der Unterricht im Vordergrund. Betreuungsaufgaben übernehmen sie nur, wenn dies zwingend nötig ist und kein anderes Personal dafür eingesetzt werden kann.

 

20. Wie sollen Lehrpersonen insbesondere im Kindergarten und in den tieferen Klassen den 2-Meter-Abstand einhalten können?

Wer im Schulalltag aktiv ist, weiss sehr gut, dass die Einhaltung des Abstands von 2 Metern zwischen Lehrpersonen einerseits und Schülerinnen/Schülern anderseits sehr schwierig und im Kindergarten nicht realistisch ist. Der Kanton schreibt in seinen Vorgaben denn auch, der Abstand sei „wo möglich“ einzuhalten. Immerhin macht es der Halbklassenunterricht einfacher, die Distanz möglichst oft einzuhalten.

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