Schlussfolgerungen für die Zürcher Bildungspolitik

17. August 2020

Die Zürcher Volksschule hat die erste Phase der Corona-Pandemie mit sehr viel Engagement aller Beteiligten gemeistert. Doch die acht Wochen Fernunterricht haben auch ein Schlaglicht auf bestehende Schräglagen und Schwachstellen geworfen. Sollen die Schulen für die Zukunft gerüstet sein, besteht in der Zürcher Bildungspolitik Handlungsbedarf. ZLV und SekZH orten diesen insbesondere bei Massnahmen für Chancengerechtigkeit, bei Investitionen in digitale Mittel und bei den zeitlichen Ressourcen der Lehrpersonen.

Corona-Virus-Pandemie

(aktualisiert am 27. August 2020)


Schulbetrieb ab 26. August 2020

Die obligatorischen Schulen im Kanton Zürich sind nach den Sommerferien im Vollbetrieb wieder gestartet:

  • Die Abstands- und Hygienemassnahmen gelten weiterhin (insbesondere regelmässige Handhygiene und Abstand von mindestens 1.5 Metern halten).
  • Die Schulräume müssen häufig und regelmässig vollumfänglich ausgiebig gelüftet werden.
  • Aktuell gibt es keine Beschränkung der Gruppengrösse.
  • Es wird nach dem ordentlichen Stundenplan unterrichtet.
  • Das ordentliche Betreuungsangebot steht zur Verfügung.
  • Lehrpersonen mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko (dazu zählen auch Schwangere) müssen unterrichten, sofern ihnen nicht aufgrund eines ärztlichen Attests ein Beschäftigungsverbot auferlegt wurde. Für sie müssen besondere Schutzmassnahmen getroffen werden. Dazu gehört, dass:
    • ihnen jederzeit Reinigungs- und Desinfektionsmaterial zur Verfügung steht
    • sie immer eine Schutzmaske tragen müssen – auch während des Unterrichts
    • ihnen auf Ersuchen Plexiglasscheiben zur Verfügung gestellt werden
    • alle Erwachsenen in ihrer Gegenwart stets eine Schutzmaske tragen müssen (dies gilt für Personen aus dem Schulteam genauso wie für Eltern und Dritte)
    • Sekundarschülerinnen und -schüler sollen in besonderen Situationen, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, zum Schutz der Lehrpersonen aus Risikogruppen, ebenfalls Schutzmasken tragen – dies ist in diesem Alter zumutbar

Der ZLV unterstützt das enorme Engagement seiner Mitglieder und aller Lehrpersonen mit aktuellen Informationen, wichtigen Kontakten und einer Übersicht über zentrale Fragen und Antworten. Weitere Informationen und Links zu Medienberichten finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite.

Es gelten die allgemeinen Weisungen des Bundes gemäss dem Flyer «So schützen wir uns.»

 

 

Contact Tracing

«Das Contact Tracing klärt wichtige Fragen in Zusammenhang mit allfälligen Kontaktpersonen einer an COVID-19-erkrankten Person und ordnet in Verantwortung des Kantonsärztlichen Dienstes Quarantänemassnahmen an:

  • Ist in den 48 Stunden vor Symptomausbruch der Abstand von 1,5 Metern zu anderen Personen immer eingehalten worden?
  • Mit wem hat ein enger Kontakt (unter 1,5 Metern, über 15 Minuten) ohne Tragen einer Hygienemaske oder ohne andere Schutzvorrichtung bestanden?

Wird ein Mitglied der Schulgemeinschaft positiv getestet, klärt das Contact Tracing die individuellen Kontakte ab und ordnet in Verantwortung des Kantonsärztlichen Dienstes und in Zusammenarbeit mit den schulärztlichen Diensten eine Quarantäne für die betreffenden Kinder, Jugendlichen, Lehrpersonen oder anderen Schulbeteiligten an. Der kantonale schulärztliche Dienst bzw. die schulärztlichen Dienste der Städte Winterthur oder Zürich bleiben in Kontakt mit der Schulleitung der betroffenen Schule und prüfen, ob die Hygiene und Distanzregeln an der Schule eingehalten wurden. Coronavirus - Informationen rund um die Schulen

Weitere Informationen zu den schulischen Abläufen bei Krankheitsfällen, Schutzkonzepten und personellen Fragen finden Sie ebenfalls auf der Website des Kantons.

 

Kurzfilm «Coronavirus und Schule»

Der kurze Film des BAG (eine gute Minute) zeigt den Schülerinnen und Schülern in wenigen einprägsamen Bildern, welchen Einfluss das neue Coronavirus auf ihren Schulalltag hat. Er erklärt den Kindern, dass sie sich schützen können und ruft die Regeln zum Händewaschen und Grüssen in Erinnerung.

Die spezifischen Massnahmen des jeweiligen Schulhauses können direkt im Anschluss an den Film erläutert werden. Von der Webseite des BAG kann das Plakat mit den Hygiene- und Verhaltensregeln, die für Schülerinnen und Schüler gelten, heruntergeladen werden.

Link zum Kurzfilm «Coronavirus und Schule»

Empfehlungen des ZLV für Lehrpersonen

Damit unsere Zürcher Volksschule diese Situation meistern kann, sind wir Lehrpersonen besonders gefragt und tragen eine grosse Verantwortung. Leisten wir unseren Beitrag, dass dies gelingt. Der Zürcher Lehrer- und Lehrerverband empfiehlt:

  • Bleiben Sie weiterhin vorsichtig und halten Sie sich an die Distanz- und Hygieneregeln sowie an das Schutzkonzept Ihrer Schule. Es gilt Schulschliessungen wenn immer möglich zu vermeiden.
  • Schützen Sie sich, Ihre Kolleginnen und Kollegen sowie Schülerinnen und Schüler – besonders jene aus Gruppen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko. Gerade auf den Gängen oder im Teamzimmer kann es schnell zu voll werden.
  • Geben Sie sich und der Klasse die nötige Zeit für ordentliche Handhygiene. Das dauert zwar eine ganze Weile und «kostet» Unterrichtszeit, bleibt aber weiterhin eine der wichtigsten Präventionsmassnahmen und zahlt sich im Vergleich zu einer Schulschliessung allemal aus.
  • Lüften Sie Schulräume so oft wie möglich. Reichlich frische Luft ist nicht nur eine gute Prävention vor dem Coronavirus, sondern hält auch die CO2-Konzentration im Raum tief und unterstützt so konzentriertes Lernen und Arbeiten.
  • Gemeinsam geht es besser. Arbeiten Sie konstruktiv und kreativ mit ihrem Team, den Schulleitungen und den Behörden zusammen.
  • Lassen Sie dieselbe Vorsicht wie in der Schule auch in ihrem Privatleben walten. Das Coronavirus macht ebenfalls keinen Unterschied.

Forderungen des ZLV

Folgende Punkte und Forderungen sind für den ZLV zentral:

  • Unverhandelbar ist der Schutz gefährdeter Lehrpersonen (Alter, Vorerkrankungen). Dieser hat für den ZLV oberste Priorität. Kann die Schule einen erhöhten Schutz nicht dauerhaft oder ausreichend gewährleisten, bleiben Personen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko (z.B. Schwangere) zuhause und unterstützen die Schule von dort aus.
  • Die Lüftungssituation in den Schulräumen muss sofort geklärt werden. Eine gute Lüftung der Räume ist gesundheitlich und bezüglich der Konzentration entscheidend. Kanton und Bildungsdirektion haben hier eine Führungsverantwortung. Sie sollen die Bemühungen der Schulen und Gemeinden unterstützen und koordinieren. Es gilt, Schülerinnen, Schüler und die Schulteams nach Kräften vor einer möglichen Ansteckung mit Sars-Cov2 zu schützen.
  • Wenn immer möglich ist eine weitere generelle Phase mit Schulschliessungen und Fernunterricht zu vermeiden. Der ZLV sieht für den Fall, dass sich die Situation verschärft eine abgestufte Reihenfolge von Reaktionsmöglichkeiten:
    • Halbklassenunterricht (mit Betreuung für die andere Klassenhälfte im Hort oder in anderen Schulräumen, ohne dass sich die einzelnen Gruppen vermischen)
    • situative oder generelle Maskenpflicht an Schulen (insbesondere für Erwachsene und notfalls auch für Schülerinnen und Schüler)
    • Fernunterricht für einzelne Schulen, Schulabteilungen oder einzelne Klassen für eine begrenzte Zeit, wenn dies aus medizinischen bzw. epidemiologischen Gründen zwingend ist
  • Privilegierten Zugang zu Testmöglichkeiten für Lehrpersonen
  • In etlichen Fällen erwartet der ZLV einen erhöhten Förder- oder Unterstützungsbedarf und fordert von Kanton und Gemeinden, die dafür nötigen Ressourcen bereitzustellen (z.B. Teamteaching, SHP, Assistenzen, Schulsozialarbeit).
  • Es braucht dringend Investitionen in die Chancengerechtigkeit. Mittelfristig müssen vor allem am Kindergarten und im 2. Zyklus die Ressourcen für Teamteaching deutlich erhöht werden.
  • Die digitale Transformation muss an der gesamten Zürcher Volksschule stärker vorangetrieben werden. Dazu müssen die Schulen mit den dafür nötigen Geräten und Infrastrukturen ausgerüstet werden. Der aktuelle Flickenteppich hat sich allerdings nicht bewährt – eine Harmonisierung und ein allgemeiner Ausbau sind unausweichlich. Die Bildungsdirektion soll hierbei eine aktiv koordinierende und der Kanton wo nötig eine finanzierende Rolle übernehmen.
  • Der Lehrberuf muss attraktiver werden. Dazu müssen Überzeiten der Vergangenheit angehören. Der Berufsauftrag muss darum angepasst werden. Für eine Jahreslektion sollen neu 62 Stunden angerechnet werden. Im Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern braucht es zudem schnellere, niederschwellige Unterstützung (Schulinsel).
  • Klassenlehrpersonen aller Stufen müssen zeitlich entlastet werden. Im Berufsauftrag sind dafür neu mindesten 120 Stunden vorzusehen.

Der ZLV unterstützt Lehrpersonen dabei, sie betreffende Punkten zu klären oder mit Nachdruck einzufordern. Bei Bedarf setzen Sie sich am besten direkt mit unserer Beratungsstelle in Verbindung: beratung@zlv.ch. Für Mitglieder ist die Beratung kostenlos.

Fragen und Antworten

Hier finden Sie eine Liste mit Antworten rund um arbeitsrechtliche Fragen im Zusammenhang mit der aktuellen Situation.

> Fragen und Antworten

ZLV-Beratungsstelle

Bei arbeitsrechtlichen Fragen wenden sie sich an die ZLV-Beratungsstelle. Für Mitglieder ist die Beratung kostenlos.

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